VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen zur bauma 2025

Baumaschinenindustrie erwartet nur langsame Erholung

Joachim Schmid, Geschäftsführer VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen, erklärt ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga, welche Schwerpunkte der Verband zur bauma setzt.

Joachim Schmid ist Geschäftsführer des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen. Foto: VDMA

ABZ: Herr Schmid, welche Erwartungen hat der VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen an die diesjährige bauma?

Schmid: Die Messe ist restlos ausgebucht, das Interesse riesig – wir erwarten wieder zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland. Die bauma ist und bleibt die weltweit wichtigste Messe unserer Branche. Ihre Innovationskraft setzt Maßstäbe, und viele Entwicklungszyklen orientieren sich an ihr. Wir können also sicher sein, dass es in allen Themenbereichen spannende neue Lösungen zu sehen gibt. Automatisierung und autonome Technologien werden eine große Rolle spielen. Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Dabei ist immer im Fokus, den Bauprozess effizienter, sicherer, nachhaltiger und kostengünstiger zu machen. Es gibt also viel zu entdecken.

Wirtschaftlich setzen wir auf positive Impulse. Nach dem starken Absatz- und Umsatzrückgang bei Maschinen und Geräten aus deutscher Produktion im vergangenen Jahr hoffen wir auf eine Stabilisierung – und eine langsame Erholung. Anstehende und notwendige Infrastrukturprojekte in den Bereichen Transport, Logistik, Energie, Straßenbau sowie Wohnungsbau und Sanierung bieten große Chancen. Jetzt kommt es darauf an, dass die neue Bundesregierung diese Maßnahmen vorantreibt und durch Entbürokratisierung sowie Deregulierung bessere Rahmenbedingungen schafft, damit das Sondervermögen Infrastruktur auch greifen kann.

ABZ: Wie wird sich der Verband in diesem Jahr präsentieren?

Schmid: Als ideeller Träger der bauma arbeiten wir seit Jahrzehnten eng mit der Messe München zusammen. Wir konzipieren und organisieren maßgeblich das Rahmenprogramm und zusätzliche Ausstellungsschwerpunkte.

In der Innovationshalle LAB0 ist unter anderem das bauma Forum mit seinen täglichen Thementagen von Montag bis Freitag der zentrale Treffpunkt für Fachleute. Hier geht es um aktuelle Entwicklungen, den Austausch mit Experten und neue Perspektiven. Im Science Hub treffen Wissenschaft und Industrie aufeinander. Elf führende Institute präsentieren neueste Forschungsergebnisse und zukunftsweisende Technologien. Ein besonderes Highlight ist Machines in Construction MiC 4.0. Maschinen mit der Standard-Schnittstelle stehen jetzt in der MiC-Datenbank und können auf der bauma geordert werden. In der Startup-Area erhalten 48 Jungunternehmen die Möglichkeit, ihre Ideen und Technologien einem internationalen Publikum vorzustellen.

Mit THINK BIG! im ICM sprechen der VDMA und die Messe München gezielt Nachwuchstalente der Schulklassen 7 bis 12 an. Mehr als 13 200 Schülerinnen und Schüler sind für diese Veranstaltung aktuell angemeldet. Interaktive Workshops bieten spannende Einblicke in die Branche und zeigen berufliche Perspektiven auf. Am Stand 121 des VDMA Mining & Minerals in Halle C2 stehen innovative Technologien für den Bergbau und Rohstoffsektor im Mittelpunkt. Nach einem dreitägigen Hackathon in Aachen werden die besten Lösungen in den Bereichen Datenanalyse, maschinelles Lernen und neue Geschäftsmodelle prämiert. Zusätzlich zeigt ein Demonstrator live, wie die Kommunikation über OPC UA in einem untertägigen Bergwerk funktioniert.

Der Firmengemeinschaftsstand der Antriebs- und Fluidtechnik in Halle A3.313 präsentiert zentrale Branchenthemen wie Digitalisierung, Interconnectivity und Nachhaltigkeit. Mit dem Projekt Fluid 4.0 setzt die Branche auf mehr Effizienz über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg und treibt die Digitalisierung von Produkten, Systemen und Dienstleistungen voran. Das Pressezentrum Ost dient für uns als zentraler Anlaufpunkt und Sitzungszentrum.

ABZ: Was sind die Highlights für den Verband zur bauma?

Schmid: Alle Themen, die wir besetzen, sind für sich genommen besondere Schwerpunkte. Ein absolutes Highlight ist natürlich die Verleihung des bauma Innovationspreises am Vorabend der Messeeröffnung. Die hohe Anzahl an Bewerbungen in diesem Jahr zeigt, wie innovativ die Branche ist und welches Ansehen der Preis genießt. Wir erhielten 208 Bewerbungen, rund die Hälfte davon aus dem Ausland. Das Auswahlverfahren ist anspruchsvoll und mehrstufig. In der ersten Runde bewertet die Task Force, bestehend aus Vertretern der Partnerorganisationen HDB, bbs und ZDB sowie einigen Industrievertretern, die Einreichungen einzeln nach einem Punktesystem. Diese Phase bedeutet viel Arbeit, denn jeder Prüfende gibt seine Wertung unabhängig ab. Die überzeugendsten Bewerbungen kommen weiter – dieses Mal 52 Finalisten.

In der nächsten Runde übernehmen derzeit 22 Professorinnen und Professoren der Fachjury sowie erneut die Task Force die Bewertung, ebenfalls nach einem Punktesystem. Die drei Innovationen mit der höchsten Punktzahl je Kategorie werden als Nominierte für die Endrunde ausgewählt. Schließlich gibt auch die Fachpresse auf dem Mediendialog in München ihre Wertung ab. Die fünf Sieger werden rein mathematisch aus allen Einzelwertungen ermittelt. Wir alle freuen uns auf die Preisverleihung, zumal die Bewerber erst vor Ort erfahren, wer gewonnen hat. Zum ersten Mal findet die Veranstaltung im ICM der Messe München statt. Dank des größeren Platzangebots können wir mehr Gäste als je zuvor begrüßen. Man darf also gespannt sein. Ein weiteres Highlight, über dessen Erfolg ich mich jetzt schon freue, ist unsere Nachwuchskampagne THINK BIG!, die ich bereits erwähnt habe. Die Schülerinnen und Schüler wurden von bislang 189 Schulen angemeldet, davon kommen immerhin 19 Schulen aus Österreich. Und es gehen weiterhin Anmeldungen ein. Wir versuchen, den jungen Menschen, vor allem den Mädchen und jungen Frauen, technische Berufe in der Baumaschinenindustrie nahezubringen. Das gelingt uns, meine ich, weil das Konzept sehr besonders ist. Junge Auszubildende mit ihren Werkstattleitern und einem Moderatorenteam führen durch das Programm. Kernstück ist die Werkstatt Live! Bühne mit spannenden Einblicken in die Welt der Maschinen.

ABZ: Klimaneutralität, Alternative Antriebskonzepte, Vernetztes Bauen, Nachhaltiges Bauen und Mining Challenge sind die Leitthemen der Messe. Wie stellt sich der Verband diesbezüglich auf?

Schmid: Hinter all diesen Themen steht das gemeinsame Ziel, das Bauen sowie die Gewinnung und Aufbereitung von Rohstoffen effizienter und damit wirtschaftlicher, nachhaltiger und ressourcenschonender zu gestalten. Wir als Branche liefern dafür das technische Know-how und die Maschinen.

All diese Anstrengungen sind eine Investition in die Zukunft, in nachfolgende Generationen und in unsere nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit. Viele unserer Mitgliedsunternehmen stellen auf der bauma aus, wir betreuen im Verband nationale und internationale Gremien, Arbeitskreise, Lenkungsausschüsse – wirtschaftlich wie technisch – und vieles mehr. Unsere Delegationsreisen in Länder mit Marktpotenzial verlaufen in der Regel sehr erfolgreich. Persönliche Kontakte und Netzwerke spielen nach wie vor eine entscheidende Rolle. Als Geschäftsführer des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen darf ich sagen, dass wir mit unserem Leistungsspektrum und unseren Möglichkeiten für unsere Mitgliedsunternehmen als Verband in Europa wohl einzigartig sind.

ABZ: Wie beurteilen Sie die aktuelle konjunkturelle Situation und Marktentwicklung in der Bauwirtschaft in Deutschland?

Schmid: Bauwirtschaft und Baumaschinenindustrie sind eng miteinander verbunden. Wo nicht gebaut wird, werden auch keine Maschinen verkauft. Allenfalls das Ersatzteilgeschäft kann davon profitieren. Nachdem der Absatz von Baumaschinen auf unserem Heimatmarkt im vergangenen Jahr um 31 Prozent eingebrochen ist – der stärkste Rückgang seit 2009 – haben wir auf unserer Pressekonferenz im Februar für dieses Jahr eine nur langsame Erholung und ein vorsichtiges Umsatzwachstum von 5 Prozent prognostiziert.

Dies schließt allerdings das internationale Geschäft mit ein. Wie sich der Markt in Deutschland entwickelt, hängt entscheidend von der Politik ab. Wir brauchen eine stabile Regierung, die die richtigen Rahmenbedingungen schafft.

Dazu gehören der Abbau von regulatorischen Anforderungen und Bürokratie, um wirtschaftlich bauen zu können, Investitionen in die Infrastruktur, der Abbau unfairer Wettbewerbsbedingungen - zum Beispiel Importe aus Drittländern, die nicht den EU-Vorschriften unterliegen oder gegen sie verstoßen – und eine kluge Förderung von Forschung und Entwicklung. Und natürlich liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, sich zu überlegen, welche Maschinen er in seinem Betrieb einsetzt.