Keestrack auf der bauma 2016

Innovation als Motor

Die aktuelle Version des 500-t/h-Prallbrechers R8 mit optionalem Doppeldeck-Nachsiebmodul und Überkornrückführung führt als größte Anlage die Keestrack-Baumaflotte an.Fotos: Keestrack

Als einer der großen internationalen Hersteller mobiler Aufbereitungsanlagen für Gewinnung und Recycling präsentiert sich Keestrack auf der bauma (Freigelände FN.817/2). Ein neues Erscheinungsbild und neue Produktbezeichnungen markieren die starke technologische und wirtschaftliche Basis, mit der sich Keestrack nach 20 Jahren kontinuierlicher Entwicklung zukünftigen Herausforderungen stellt. Die ABZ sprach darüber mit Michael Brookshaw, seit April 2015 als Global Distributor Manager zuständig für den Ausbau der internationalen Vertriebsstrukturen der belgischen Unternehmensgruppe.

Als Pionier der raupenmobilen Aufbereitung entwickelte Kees Hoogendoorn 1996 die erste direkt beschickbare Grobstücksiebanlage. Vom belgischen Hauptsitz Bilzen aus leitet er heute die im Familienbesitz stehende Keestrack-Gruppe.

ABZ: Herr Brookshaw, im Vorfeld der bauma hat Keestrack zahlreiche Neuheiten in allen Bereichen angekündigt. Welche Modelle schicken Sie konkret ins Rennen?

Brookshaw: Wir werden in München insgesamt sieben Anlagen zeigen, die unser Komplettangebot in seiner ganzen Breite abbilden und mit einem Mix aus 50 % echten Neuheiten und 50 % weiterentwickelten Bestsellern für unser hohes Innovationspotenzial stehen. Bei den Premieren sticht sicherlich unser komplett neu entwickelter Kegelbrecher H4 heraus, der als weltweit erster Mobil-Kegelbrecher mit Dreideck-Nachsiebmodul in der Produktion hochwertiger Körnungen mit nur einer Anlage Maßstäbe setzen wird. Gleiches gilt auch für unser neues Produktionssieb C8, das mit seinem modular aufgebauten Zweideck-Siebkasten in doppelter oder einfacher Spannwellen-Ausrüstung hervorragende Ergebnisse bei siebschwierigen Kleinstkörnungen oder enorm hohe Leistungen im Standardbereich bietet. Beide Premieren kommen übrigens mit alternativen Antriebskonzepten, die unsere Vorreiter-Rolle bei der sinnvollen Einbindung von Hybrid- oder vollelektrischen Antrieben im Mobilbereich bis 60 t unterstreichen.

Mit Galabau- und Kommunalbetrieben sollen unsere erstmals vorgestellten Trommelsiebe der D-Serie einen für Keestrack noch recht neuen Kundenkreis ansprechen. Vier Modelle von 150–500 t/h bieten hier dank kompakter Raupenmobilität und einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis echte Alternativen in der Verarbeitung von Aushub und Böden.

Aus dem bestehenden Siebanlagen-Programm zeigen wir in München das 350-t/h-Grobstücksieb K4. Der bewährte Backenbrecher B2 in aktueller Version sowie die Prallbrecher R4 und unser Flagg-schiff R8 mit Dolly-System markieren mit Transportgewichten von unter 30 bis 60 t die Mobilitäts-Skala unseres Brecherprogramms mit aktuell acht Modellen.

Über 25 Jahre in der Branche und seit einem Jahr bei Keestrack: Michael Brookshaw im ABZ-Interview.

ABZ: Nicht nur in den Produktbezeichnungen wechselt Keestrack zur bauma sichtbar sein Erscheinungsbild. Sind auch das neue Logo und der angekündigte Designwechsel Teil einer großangelegten Neuaufstellung?

Brookshaw: Nein keineswegs. Gerade im Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre, die wir in München auch gebührend feiern werden, stellt sich für uns die Frage einer Neuaufstellung überhaupt nicht. Alle Neuerungen sollen allenfalls das Profil dessen schärfen, was Keestrack nach einer kontinuierlichen Entwicklung heute ausmacht.

Tatsächlich sind wir für viele heute noch vor allem die Experten für mobiles Sieben, was natürlich eine große Würdigung Kees Hoogendoorns ist, der 1996 mit der ersten raupenmobilen Siebanlage mit Direktbeschickung den Standard für gleich mehrere Aufbereitungsbranchen gesetzt hat.

Dass sich Keestrack aber nicht erst seit Übernahme von OM 2010 sehr zielgerichtet und mit großen Investitionen in Entwicklung, Konstruktion und Vermarktung leistungsfähiger Mobilbrecher engagierte, wussten scheinbar nur Insider und zufriedene Kunden. Tatsächlich aber übertrafen 2015 die Brecherverkäufe erstmals den Siebmaschinen-Anteil an unserem Gesamtumsatz. Wenn wir jetzt die neue Nomenklatur einführen, so vor allem um unser Komplettangebot von insgesamt 26 Modellen transparenter zu machen. Für eine Übergangszeit werden die alten Bezeichnungen wohl noch überdauern, mit seinen Leistungsstufen ermöglicht das neue System jetzt allerdings die Kombination integrierter Keestrack-Aufbereitungslösungen auf einen Blick.

Wir stellen auch unsere aktuelle Firmenstruktur sehr viel deutlicher heraus. Unter dem Dach der familiengeführten Keestrack-Gruppe wuchs das Unternehmen bis heute aus eigener Kraft auf insgesamt 650 Mitarbeiter an insgesamt vier Standorten, davon drei Produktionswerke mit angeschlossenen Entwicklungsabteilungen in der Tschechischen Republik, Italien und seit 2007 auch in China. Mit Ihren Teilezentren und Expertenteams unterstützen diese Standorte auch die weltweite Keestrack-Vertriebsorganisation mit heute 65 Partnern in 46 Ländern.

Diese Zahlen machen einerseits unsere große Fertigungstiefe als Garant für nachhaltige Qualität bzw. beschleunigte Innovationsprozesse nachvollziehbar und stehen andererseits für unser immer engmaschiger werdendes Kundendienst-Netz.

Mit bivitec-Spannwellen-Siebtechnik für siebschwierige Körnungen ist die neue Siebanlage Keestrack C8 ein gelungenes Beispiel der Entwicklungskooperation mit externen Partnern.

ABZ: Innovation ist ein immer wieder kehrender Begriff bei Keestrack – worin genau sehen Sie aktuelle und zukünftige Entwicklungstrends in der mobilen Aufbereitungstechnik.

Brookshaw: Natürlich muss jedem in der Branche klar sein, dass die wichtigste Forderung egal in welchem Segment die Wirtschaftlichkeit bleiben wird – also die berühmten "Kosten pro Tonne". Bei Keestrack rechnen wir hier mit den ganzheitlichen Betriebskosten über bestimmte Zeiträume oder die gesamte Lebensdauer. Das erklärt zum Beispiel unseren hohen Qualitätsanspruch im Hinblick auf Verfügbarkeit und Werterhaltung, den wir bei allen Anlagen etwa mit Hydraulik-Stahlverrohrungen oder den verschraubten Grundrahmen im hochwertigen Pulverlack-Finish auf Zink-Phosphat-Grundierung gewährleisten.

Auch eine möglichst hohe Auslastung hat unmittelbaren Einfluss auf die Wertschöpfung. Stichwort Maschinentransport und Genehmigungen: Durch die Verwendung hochwertiger Stähle und aufwändiger statischer Optimierung reduzieren wir unsere Anlagengewichte, um die schnelle Versetzbarkeit zu gewährleisten. Für unsere größten Anlagen halten wir Dolly-Systeme vor, mit denen die "magische Grenze" von 80 t Zuggewicht eingehalten werden kann. Eine große Rolle in unserer technischen Entwicklung spielt derzeit auch die schon angesprochene optionale "Elektrifizierung" vieler Modelle durch Hybrid- oder vollelektrische Systeme als Alternative zu unseren verbrauchsoptimierten diesel-hydraulischen Antrieben. Neben dokumentierten Einsparungspotenzialen von bis zu 70 % im "Plug-in"-Betrieb, machen die sauberen und leckage-sicheren E-Antriebe Maschinen-Investitionen z. B. auch unter schärferen Gewässerschutzvorschriften zukunftssicher.

Eine weitere wichtige Entwicklung ist unser "Keestrack-er"-Tool zur Maschinen-Fernüberwachung. An unsere Relytec-Anlagensteuerungen gekoppelt, übermittelt das GPS-gestützte Kommunikationsmodul wichtige Maschinen- und Funk-tionsdaten. Als Vision ist langfristig die "smarte" Aufbereitungsanlage denkbar, die selbst ihre Wartung und notwendige Reparaturen mitplant und damit kostspielige Betriebsunterbrüche vermeidet.

"Smart-Screen": Das GPS-gestützte Kommunikations-Modul Keestrack-er ermöglicht die Anlagen-Fernüberwachung und bietet auch Geofencing als Diebstahlschutz.

ABZ: Wie stellt sich für Keestrack derzeit die Marktsituation in der mobilen Aufbereitung dar? Können Sie einzelne Regionen eingrenzen, und wo sehen Sie Keestrack im Vergleich der internationalen Anbieter?

Brookshaw: Generell kann man sagen, dass die einstmals sehr "europäischen" Produkte mobile Brech- und Siebanlagen heute weltweit nachgefragt werden. Tatsächlich generieren die weitgehend entwickelten Branchenmärkte in Europa immer weniger Wachstum. Leider stehen großen Zuwächsen in anderen globalen Marktregionen derzeit weiterhin die bekannten weltwirtschaftlichen Probleme entgegen.

Für Keestrack als reiner Anbieter raupenmobiler Anlagen mit zudem noch global ausgerichteten Qualitätsansprüchen und Modellkonzepten stellt sich so die Herausforderung einer noch konsequenteren Bearbeitung der einzelnen Teilmärkte. Hier werden wir die bauma zu intensiven Gesprächen mit möglichen Vertriebs- und Servicepartnern aus Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Südamerika nutzen. In Europa herrscht weiterhin ein Nord-Süd-Gefälle. Während sich die skandinavischen und westeuropäischen Märkte annähernd wieder auf dem Vorkrisen-Niveau von 2008/9 konsolidiert haben, wirken sich ausbleibende Investitionen in Bau & Infrastruktur nach wie vor sehr negativ auf die Märkte im Mittelmeerraum aus. In Deutschland mit seinen insgesamt verkauften 250 bis 300 Anlagen/Jahr innerhalb der 20–60-t-Klasse liegen wir dank unserer passend abgestuften Produktpalette und natürlich durch die Arbeit unseres langjährigen Vertriebspartners Oppermann + Fuss gut auf Kurs. Mit intensiver Produktberatung, einem leistungsfähigen flächendeckenden Service sowie flankierenden Miet- und Mietkauf-Angeboten gewährleistet OF eine schlagkräftige, branchenübergreifen-de Keestrack-Repräsentanz. Mit weltweit 370 platzierten Anlagen 2014 und einer knapp 10%igen Steigerung im vergangenen Jahr sehen wir uns derzeit noch knapp hinter den Top Fünf der großen internationalen Hersteller. Unser Ziel ist es langfristig, durch intensive Bearbeitung aller globalen Marktregionen in die Top Drei der von uns angebotenen Segmente aufzusteigen, was in etwa die Verdoppelung unserer heutigen Platzierungen voraussetzt.

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