Volvo CE Geschäftsführer Christian Krauskopf

"Konzepte werden jetzt in die Realität umgesetzt"

Christian Krauskopf, Geschäftsführer von Volvo CE in Deutschland.

Erst kürzlich gab Volvo Construction Equipment (Volvo CE) bekannt, im Kompaktmaschinenbereich künftig komplett auf Elektromobilität setzen zu wollen. Auf der bauma werden die ersten Vorserienmaschinen bereits zu sehen sein. Im Vorfeld der Messe sprach ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann in Ismaning mit Christian Krauskopf, Geschäftsführer von Volvo CE in Deutschland, über die Hintergründe der Elektro-Offensive sowie weitere Schwerpunkte des Unternehmens auf der weltgrößten Baumaschinen-Messe.

ABZ: Herr Krauskopf, der aktuelle Bauboom hat die Geschäfte bei Volvo CE zuletzt stark beflügelt. Mit welchen Erwartungen gehen Sie ins bauma-Jahr 2019?

Krauskopf: Rückwirkend betrachtet war 2018 wirklich ein tolles Jahr für Volvo CE. Wir haben gerade erst neue Zahlen für unser Hub West, also das zentraleuropäische Vertriebsgebiet, zu denen auch Deutschland gehört, bekommen. Hier gab es erhebliche Steigerungen in jedem Markt. Wenn man auch auf die Zahlen des VDMA schaut, dann ist der Gesamtmarkt im vergangenen Jahr um 8,8 % gestiegen und das im Vergleich zu einem bereits sehr guten Jahr 2017. Diese Entwicklung hätte zuvor niemand vorausgesehen. Gleichzeitig hat das natürlich auch für großen Druck in der gesamten Lieferkette gesorgt. Nichtsdestotrotz haben wir ein tolles 2018 hingelegt. Die Zahlen für das komplette Jahr 2018 sehen sehr gut aus. Im Vergleich zu einem schon sehr guten 2017 konnten wir nicht nur im Verkauf noch einmal kräftig zulegen, sondern auch unseren Nettogewinn halten. Mit dieser positiven Grundstimmung starten wir nun in das Jahr 2019, und auch das sieht bislang sehr positiv aus.

ABZ: Gilt das angesichts der derzeitigen geopolitischen Turbulenzen auch für die internationalen Märkte von Volvo CE?

Krauskopf: Es gibt natürlich aktuell einige Unsicherheiten auf dem Weltmarkt – der Brexit, der Handelskonflikt mit China etc. Vergleichbare Krisenherde gab es allerdings auch schon in den vergangenen Jahren. Und trotzdem haben wir uns gerade in der Baubranche sehr positiv entwickelt. Natürlich müssen wir immer schauen, was passiert, und uns auf alle Eventualitäten einstellen. Als Hersteller muss man immer flexibel sein. Bei Volvo sehen wir für die nähere Zukunft global ein Abflachen der Konjunktur, ggf. auch einen leichten Rückgang. Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, dass wir uns derzeit auf einem historischen Höchstniveau befinden.

Volvo CE und sein Kunde Skanska verzeichneten bei ihrem Forschungsprojekt "Electric Site" – der erste voll elektrifizierte Steinbruch – bahnbrechende Ergebnisse: 98 % weniger CO2-Emissionen, um 70 % reduzierte Energiekosten und 40 % geringere Lohnkosten.Fotos: Volvo CE

ABZ: Volvo CE hat kürzlich die Elektrifizierung seines Kompaktmaschinensortiments angekündigt. Welche Ergebnisse werden wir in diesem Jahr bereits sehen und welche weiteren Schritte sind geplant?

Krauskopf:Wir befassen uns bereits seit Längerem intensiv mit dem Thema Elektromobilität. So haben wir einzelne Konzeptmaschinen wie den LX02, die Elektrovariante unseres Radladers L25 u. a. auf unserem Innovation-Summit im vergangenen Jahr bereits vorgestellt. Nachdem wir gesehen haben, dass diese Maschinen funktionieren, gehen wir nun den nächsten Schritt und zeigen auf der bauma die ersten beiden Pilotmaschinen mit Elektroantrieb: einen kompakten Radlader und einen Kompaktbagger. Im Anschluss werden wir dann in die Testphase mit ausgewählten Kunden gehen. Zeitgleich werden wir jetzt sowohl unsere Fabriken als auch unsere Händler und speziell den Kundendienst auf diese Entwicklung vorbereiten. Wir haben uns dafür einen Zeitrahmen bis 2020 gesetzt. Bis dahin müssen alle diese Konzepte in die Realität umgesetzt werden.

ABZ: Wird es bei Volvo CE in diesem Bereich künftig keine Verbrennungsmotoren mehr geben?

Krauskopf: Wir stellen den Diesel nicht ein, wir werden jedoch die Dieseltechnologie für diese Maschinen nicht weiterentwickeln. Das betrifft einmal die Kompaktbagger unter 19 kW, für die nach aktueller Norm kein Dieselpartikelfilter benötigt wird. Hier können wir die bestehenden Dieselmotoren weiterproduzieren. Sollten sich die Vorgaben diesbezüglich jedoch ändern, werden wir keine weitere Entwicklungsarbeit in die Dieseltechnologie für diese Maschinen stecken.

Beim kompakten Radlader haben wir eine andere Situation. Dort brauchen wir bis Mitte 2020 einen Partikelfilter nach EU-Norm Stufe 5. Hier sagen wir ganz klar: Nein, diese Stufe machen wir für diesen Maschinenbereich nicht mit. Bis Mitte 2020 werden wir entsprechend noch beide Optionen anbieten und von da an komplett auf Elektromobilität setzen. Das wiederum bezieht sich nur auf den europäischen Markt und bspw. nicht auf den nordamerikanischen Markt, wo es andere Regularien gibt.

ABZ: Was hat letztendlich den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben?

Krauskopf: Zunächst besteht derzeit eine ganz konkrete Nachfrage an elektromobilen Arbeitsmaschinen, speziell von Kunden im städtischen Bereich. Auch immer mehr große Mietunternehmen wollen ihr Angebot jetzt umstellen und werden auf kurz oder lang keine dieselbetriebenen Maschinen mehr kaufen. Z. B. in Oslo (Norwegen) werden ab 2025 dieselbetriebene Maschinen im städtischen Bereich unzulässig. Andere Großstädte in Europa folgen ebenfalls diesem Trend.

Ein weiteres Argument ist, dass wir in der Volvo-Gruppe ohnehin Innovationsführer im Bereich der Elektromobilität sind. Aufgrund der Entwicklungen bei Volvo Trucks und speziell Volvo Buses haben wir bereits weitreichende Erfahrungen mit diesem Thema. Unsere Trucks bspw., das konnte man auf der IAA im vergangenen Jahr sehen, fahren bereits elektrisch, wo andere noch darüber reden. Hier haben wir ein großes Potenzial, aus unserem bestehenden Werkzeugkasten zu schöpfen. Ein ganz wichtiger Grund ist aber, dass sich die Gesellschaft maßgeblich verändert hat. Themen wie Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung spielen heute eine wesentlich größere Rolle als je zuvor. Das findet sich auch in unserer Firmenphilosophie wieder. Bei Volvo steht seit jeher der Mensch im Mittelpunkt der Entwicklung. Wir wollen eine Welt mitgestalten, in der auch die folgenden Generationen noch gerne leben möchten. Das ist der Grund für uns, jeden Tag zur Arbeit zu gehen und nicht zuletzt auch ein wichtiger Punkt, wenn es um die Nachwuchsgewinnung geht. Ein Unternehmen, dass sich heute nicht für eine Welt engagiert, in der auch die nächste Generation noch leben kann und will, zu dem werden diese Menschen auch nicht kommen. Dieses Gefühl vermitteln uns auch langjährig verbundene Kunden.

Auf der bauma präsentiert Volvo CE u. a. die ersten elektromobilen Vorseriemaschinen aus dem neuen Kompaktmaschinenprogramm.Grafik: Volvo CE

ABZ: Hat die Entwicklungsabteilung von Volvo CE auch andere alternative Antriebskonzepte auf der Agenda?

Krauskopf:Wenn man sich im Wettbewerb umsieht, sind derzeit die verschiedensten Alternativen im Gespräch – von Elektromobilität über Gas und Brennstoffzellen bis hin zur Weiterentwicklung des klassischen Dieselmotors. Auch wir beschäftigen uns mit verschiedenen Modellen. Ein weiteres Prestigeprojekt ist der erste voll elektrifizierte Steinbruch – die "Electric Site". Dort haben wir u. a. autonom fahrende Muldenfahrzeuge (HX02) mit Elektroantrieb und ohne Kabine getestet. Völlig selbstständig fahren diese ihre Zyklen ab, wobei sie bei jeder Runde kurz geladen werden. Dieses Konzept hat tadellos funktioniert. Daneben hatten wir dort unseren Prototyp des elektrischen Hybrid-Radlader LX1 im Einsatz. Dieser Radlader erzielt im Steinbruch eine um mehr als 50 % bessere Kraftstoff-Effizienz sowie signifikant weniger Emissionen und Lärmbelästigung. Ergänzt wurde das Projekt durch einen 70 t schweren, kabelgebundenen Bagger-Prototyp EX1 mit dualer Energie-Versorgung.

Wir verfolgen also verschiedene Konzepte. Gleichzeitig werden wir uns abseits dieser Maschinentypen auch intensiv mit der Weiterentwicklung des Diesels befassen. So werden wir einen großen Fokus auf der bauma auch auf die Stufe 5-Technologie legen. Dort werden wir sicherlich zu einem der ersten Anbieter gehören, die bereits ein sehr weites Spektrum von Stufe 5-Maschinen zeigen werden.

Im Rahmen von "Electric Site" erprobte Volvo CE u. a. acht autonom fahrende und rein elektrisch betriebene HX2 Dumper, die das Material vom mobilen Vorbrecher zum stationären Sekundärbrecher transportieren.

ABZ: Welche weiteren Schwerpunkte setzt Volvo CE auf der bauma?

Krauskopf: Auf der bauma werden wir natürlich unsere neuen Maschinen zeigen – darunter Innovationen wie den EC300E mit einer neuartigen, rein hydraulischen Hybridtechnologie sowie den EC220E, der semi-autonom arbeitet. Für mich von ganz besonderer Bedeutung ist jedoch der Service-Bereich. Hier werden wir umfassend zeigen, wie wir unsere Kunden mit bereits gesammelten Maschinendaten unterstützen können. Dazu gehört u. a. das sog. Uptime-Center, das wir vor kurzem in Schweden installiert haben. Hier werden derzeit Daten von rd. 3000 Maschinen gesammelt und ausgewertet. Dieses Konzept gibt es bei uns schon länger, jetzt haben wir es jedoch so weit fortentwickelt, dass wir mithilfe eines Expertenteams und auf Basis der Maschinendaten proaktiv eine mögliche teure Maschinenreparatur verhindern können. In vielen Fällen können wir dem Händler Problemlösungen an die Hand geben, bevor er sich die betroffene Maschine überhaupt selbst angeschaut hat. Das steigert die Effizienz des Händlers im Service enorm und kann dem Kunden im Einzelfall viel Geld sparen. Das ist aus unserer Sicht einzigartig und darauf sind wir auch sehr stolz.

Daneben spielen Echtzeitberichte eine immer wichtigere Rolle, sprich: Auswertungen von Maschinen-Einsatz-Daten in Echtzeit. Hier besteht bei den Kunden ein riesiges Potenzial, die Effizienz der Maschinen im Einsatz zu steigern und damit viel Geld zu sparen. All das werden wir auf der bauma umfassend darstellen und mit den Anwendern besprechen. Nicht zuletzt werden wir in München zahlreiche Ergebnisse unserer jüngsten Innovationen von Volvo CE und unseren Schwesterunternehmen Volvo Trucks und Volvo Penta zeigen. Unsere spektakuläre Maschinenshow ist ein weiterer Publikumsmagnet, den sich kein Besucher entgehen lassen sollte. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche bauma 2019 und heißen alle Besucher auf unserem Stand in der Halle C6 und im Freigelände herzlich willkommen.

Ausgewählte Anbieter des LLVZ

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37097 Göttingen, Deutschland

Gewächshausplaza

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54538 Bengel, Deutschland

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