Bell Equipment

Schwerpunkt ist Einführung "großer E-Serie"

Der Bell B45E repräsentiert in München die vier neuen E-Serien-Modelle zwischen 33,5 und 45,4 t Nutzlast.Fotos: Bell Equipment

Mit zahlreichen Premieren präsentiert sich der internationale Knicklenkerspezialist Bell Equipment auf der bauma (Halle B5, Stand 148). Für den deutschen Markt wurde darüber hinaus eine regionale Vertriebskooperation mit der Kiesel-Gruppe bekannt gegeben. Die ABZ sprach mit Andreas Heinrich, Vertriebsgeschäftsführer der Bell Equipment (Deutschland) GmbH mit Sitz in Alsfeld.

ABZ: Herr Heinrich, zur bauma hat Bell Equipment zahlreiche Neuheiten im Knicklenkerbereich angekündigt. Was erwartet die Fachbesucher in München?

Heinrich: Ein Schwerpunkt unserer Präsentation wird die offizielle Markteinführung unserer ab Spätsommer lieferbaren "großen E-Serie" mit vier Modellen zwischen 33,5 und 45,4 t Nutzlast sein. Wie bei den kleineren Knicklenkern B25E und dem ebenfalls in München präsentierten Bell B30E haben wir in der Entwicklung wiederum hohe Maßstäbe an Wirtschaftlichkeit und Produktivität gelegt. So erhielten alle Modelle im Übergang zu EU4/Tier 4final neue Mercedes-Benz-Motoren, die trotz spürbarer Leistungssteigerung weitere Verbrauchseinsparungen ermöglichen und überdies ohne wartungsintensive Diesel-Partikel-Filter auskommen.

Neue Siebengang-Getriebe, automatische Zwischenachssperren und Traktionskontrollen sichern eine hohe Präsenz auf schnellen Transfers und das Fortkommen in schwerem Terrain. Neu sind auch die serienmäßigen Ölbadlamellenbremsen mit separat gekühltem Ölkreislauf, die jetzt die voreinstellbare Retarder-Funktion übernehmen. In München präsentieren wir den Bell B45E mit 41 t Nutzlast, der wie alle kleineren Modelle optional mit der in unserem 6x6-Flaggschiff B50E serienmäßigen adaptiven Frontaufhängung ausgerüstet werden kann.

ABZ: Ein bereits länger zu beobachtender Trend sind die steigenden Nutzlasten bei Knicklenkern. In München werden jetzt gleich 60-t-Weltpremieren angekündigt, mit dem Bell B60E einer davon bei Ihnen. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Heinrich: Wir fertigen und vermarkten seit jetzt gut 15 Jahren erfolgreich Großserien-6x6 oberhalb 40 t Nutzlast. Wenn uns jetzt andere Hersteller folgen, bestätigt uns das natürlich. Aus unserer eigenen langen Erfahrung wissen wir, dass technische Machbarkeit und Marktakzeptanz gerade bei hochkapazitiven Knicklenkern nicht immer leicht einhergehen: Das fängt mit marktfähigen Maschineninvestitionen an, setzt sich bei laufenden Betriebskosten fort und schließt natürlich auch die Kompatibilität mit bestehenden Ladefuhrparks mit ein.

All diese Kriterien waren allerdings maßgeblich bei der Entwicklung unseres Bell B60E, den wir in München erstmals präsentieren und dessen Lieferstart für das Frühjahr 2017 geplant ist. 430 kW Leistung, 55 t Nutzlast, 35-m³-Gesteinsmulde auf 24.00-Zwillingsbereifung an der Hinterachse – schon diese Kenndaten machen deutlich, auf welche Anwendungen der neue Großdumper zielt. Wir sehen ihn als ideale Allwetter-Ergänzung oder -Alternative zu konventionellen 4x2-Starrkippern der 60- bis 80-Tonnenklasse, denen er dank Dreh-Knickgelenk und Allrad-Antrieb bei schwierigen Fahrweg-Bedingungen im Steinbruch oder Tagebau überlegen ist. Das verschafft größere Flexibilität, vermeidet witterungsbedingte Unterbrechungen in der Förderkette oder verlängert schlicht die Produktionssaison.

Seit 2012 haben wir die ersten Prototypen im Testeinsatz – vom Vorgänger B60D konnten bereits mehrere Fahrzeuge in südafrikanischen Kundenbetrieben platziert werden. Erste positive Reaktionen von Steinbruch- und Tagebau-Betreibern in Europa lassen erwarten, dass uns der Bell B60E als einzigartiges Fahrzeugkonzept neue Kundensegmente jenseits des in den vergangenen Jahren zunehmend konsolidierten klassischen Dumpermarktes erschließt.

ABZ: "Konsolidiert" ist eine recht positive Bezeichnung für ein Fahrzeugsegment, dessen Neumaschinenabsatz in Deutschland in den vergangenen Jahren um fast 50 % zurückgegangen ist. Was macht gerade Sie als Spezialist in diesem Nischenmarkt so optimistisch?

Bis Frühjahr nächsten Jahres entsteht im hessischen Alsfeld auf knapp 31 ha Gesamtfläche der neue Hauptsitz von Bell Deutschland mit dem erweiterten Europäischen Logistikzentrum (ELC) von Bell Equipment.Grafik: Bell Equipment

Heinrich: Seit 2008/9, als der deutsche Absatz tatsächlich um 75 % von über 400 Fahrzeugen auf unter 100 Einheiten dramatisch einbrach, gab es einige Entwicklungen, die zunächst die Erholung scheinbar nur bremsten, sich heute aber als neue maßgebliche Rahmenbedingungen für das 6x6-Segment über 25 t Nutzlast präsentieren.

Tatsächlich hat wohl der schwere Erdbau für Straßen und andere Infrastrukturprojekte seine Bedeutung als prädominantes Marktsegment für knickgelenkte Muldenkipper bis auf weiteres verloren. Es fehlt schlicht an großen Erschließungsmaßnahmen, und weniger anspruchsvolle Einsatzprofile auf den vorhandenen Baustellen favorisieren alternative Verfahren wie schwere Allrad-Lkw oder Großschlepper/Anhänger-Kombinationen. Gerade letztere setzten mit Vorteilen in Investition, Logistik und mitunter auch Tarifgestaltung klassische Tiefbauer und Baumaschinenbetreiber unter massiven Preisdruck. Das führte nicht nur zu einer spürbar reduzierten Auslastung der spezialisierten Lohnfahrer-Fuhrparks, sondern auch zum Wegbrechen einer der wichtigsten Säulen in der Muldenkipper-Vermietung. So schmerzhaft diese Entwicklung für uns und alle anderen Knicklenker-Hersteller war, heute deutet alles darauf hin, dass die Großtraktoren bereits seit geraumer Zeit im Erdbau-Geschäft angekommen sind und keine weiteren 6x6-Marktanteile mehr kosten.

So liegt der deutsche Knicklenker-Markt seit drei Jahren beständig bei 220 bis 230 platzierten Neufahrzeugen - darin enthalten knapp 30 % Kompaktdumper bis 20 t Nutzlast, die für uns als Bell Deutschland jedoch allenfalls längerfristig von Bedeutung sind. Wir konzentrieren uns auf die Nutzlastklassen oberhalb 20 t, und hier verlagern sich derzeit die Neumaschinen-Investitionen zunehmend in Richtung vorrangig stationärer Gewinnungsanwendungen, das heißt weiterhin leistungsstarke 25-30-Tonner im Lockergestein aber auch hochproduktive 40-Tonner als Allrounder im Lohnauftrag bei Gewinnungsbetrieben.

Wie bereits erwähnt, sind wir hier mit unserer Modellpalette seit geraumer Zeit sehr breit aufgestellt und bieten die passende Ausrüstung für jeden Bedarfsfall. Gerade in den vergangenen Jahren haben wir zudem unser Angebot um neue Kundendienstpakete erweitert, die den im Vergleich zum Erdbau doch eher langfristig angelegten Investitionsplanungen und Kostenmodellen stationärer Betreiber entgegen kommen.

ABZ: Kurz vor der bauma wurde überraschend bekannt, dass Bell Equipment am deutschen Markt eine Vertriebs- und Servicekooperation mit der Kiesel-Gruppe, dem deutschen Hitachi-Exklusivhändler, eingeht. Welche Ziele verfolgen Sie hier?

Heinrich: Zum 1. März übernahm Kiesel das bisherige Direktvertriebsgebiet der Bell Equipment (Deutschland) GmbH, wurde damit Teil unserer bestehenden Händlerorganisation und ist in den betreffenden Regionen auch für alle einschlägigen Kundendienst-Aufgaben von Service- und Reparaturleistungen bis hin zur mittelfristig vorgesehenen Bereitstellung von Mietmaschinen zuständig.

Unsere Gründe für diesen natürlich vom bauma-Zeitpunkt terminlich beeinflussten, aber auch angesichts der erst im Februar erfolgten Gespräche wirklich kurzfristigen Schritt liegen in längerfristigen, teilweise übergeordneten Entwicklungen. Bell Deutschland wurde vor 16 Jahren nicht als Direktvertriebs-Niederlassung gegründet, sondern als Dachorganisation zum Ausbau unabhängiger Händlernetze in Deutschland und angrenzender Nachbarstaaten. Bis 2010 waren wir so in Deutschland flächendeckend vertreten, bis produktpolitische Divergenzen zur Aufkündigung der Zusammenarbeit mit den Werksniederlassungen unseres damaligen Großpartners führten. Diese großen, aber leider alles andere als homogen verteilten "weißen Flecken" auf unserer Vertriebskarte waren Grundlage unseres überregionalen Direktvertriebs von unserem Hauptsitz Alsfeld aus. Was sich zunächst konjunkturbedingt zwar mühsam gestaltete, wurde nach größeren Investitionen in Servicekapazitäten und eigenen Mietpark allerdings zunehmend erfolgreich.

Das brachte uns im vergangenen Jahr an echte Kapazitätsgrenzen.

Angesichts der anstehenden Herausforderungen als zentraler europäischer Bell-Produktionsstandort und Logistik-Drehscheibe war die Wiedervergabe unserer Direktvertriebsregionen an einen oder mehrere externe Partner dringend geboten. Unsere Kriterien bei der eingehenden Bewertung möglicher Partner waren dabei neben einem komplementären Produktprogramm zu allen unseren bestehenden und neuen Fahrzeugklassen vor allem eine große Kundennähe, sowohl fachlich im Sinne hoch qualifizierter Produktexperten in Beratung und Kundendienst als auch räumlich mit kurzen Wegen für den Monteur oder zur nächsten Service-Werkstatt.

In Sachen Produktkompatibilität ist die Kiesel-Gruppe mit ihrem branchenübergreifend kompletten Hitachi-Programm ohne Frage der ideale Partner. Von der flächendeckenden Servicekompetenz sind wir ebenso überzeugt und das große Engagement, sei es seitens des Produktmarketings oder bei Technikerschulungen, was bereits mit Beginn der Kooperation spürbar wurde, beweist die hohe Professionalität auf allen Ebenen.

ABZ: Wird sich durch die neue Partnerschaft langfristig an der Struktur des Bell-Vertriebs in Deutschland etwas ändern und welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf das Gesamtengagement von Bell Equipment in Deutschland?

Heinrich: Wie erwähnt wurde die Kiesel-Gruppe nahtlos in unsere Händlerorganisation integriert, daraus alleine ergibt sich keinerlei Handlungsbedarf für bestehende Vereinbarungen. Wie sich zukünftige Marktentwicklungen auswirken, zum Beispiel durch Veränderungen im Produkt-Portfolio unserer Partner oder deren anderen Lieferanten unserer Partner, können wir nicht voraussagen.

An unserem Gesamtengagement in Deutschland - übrigens einer von insgesamt 21 nationalen europäischen Märkten, die wir von Alsfeld aus betreuen - wird sich nichts ändern. Eher im Gegenteil: Mit Einführung unserer neuen großen E-Serie erwarten wir bedeutende Impulse für unsere Muldenkipper-Fertigung in Eisenach und noch in diesem Sommer erfolgt der Spatenstich für unser neues Europäisches Logistikzentrum ELC, das wir im Frühjahr kommenden Jahres eröffnen werden. Nur rund 3 km von unserem derzeitigen Standort entfernt, entsteht ein Hochlager mit rund 3500 m² Fläche, angeschlossenen Werkstattkapazitäten sowie einem Bürokomplex für unsere Händlerbetreuer, Logistiker und die Bell Deutschland-Verwaltung. Die Gesamtfläche unseres neuen Standorts beträgt insgesamt knapp 31 ha und bietet so ausreichend Entwicklungsmöglichkeiten für den weiteren Ausbau unserer internationalen Teileversorgung, wobei insbesondere auch deutsche Kunden und Betreiber von der hohen Verfügbarkeit profitieren werden.

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