Neuer kaufmännischer Geschäftsführer Dr. Rüdiger Kaub

Kleemann peilt weltweiten Marktanteil von 15 Prozent an

Dr. Rüdiger Kaub: "Wir wollen mit dem neuen Gruppenauftritt deutlicher herausstellen, dass wir als Team unter einem Dach arbeiten und als starke Mannschaft gemeinsam das Werteversprechen der Group 'Close to our Customers' leben."

Göppingen. – Die Kleemann GmbH ist in diesem Jahr seit zehn Jahren ein Unternehmen der Wirtgen Group. Seit Januar wird der Brech- und Siebanlagenhersteller mit Sitz in Göppingen von Bergbauingenieur Dr. Rüdiger Kaub geführt. Über sein neues Amt als kaufmännischer Geschäftsführer, die strategische Ausrichtung des Unternehmens und über die Kleemann-Präsentation auf der bauma, sprach die ABZ mit ihm exklusiv vorab der Weltleitmesse in München.

Im Jahr 1857 gegründet, blickt die Kleemann GmbH heute auf eine fast 160-jährige Geschichte zurück. Mit einer Feilenhauerei gestartet, fertigte Kleemann bereits in den 1920er-Jahren erste Brech- und Siebanlagen. Kleemann setzte sich in diesem Segment zunehmend durch und gilt als Pionier bei der Entwicklung raupenmobiler Anlagen. "Kleemann agierte als Spezialist in einem Nischengeschäft und fertigte Sonderanlagen für spezielle Einsätze mit Stückzahlen von etwa 50 pro Jahr", sagte Dr. Kaub im Gespräch mit der ABZ. Geändert habe sich das "Nischendasein", als die Wirtgen Group im Jahr 2006 eine Mehrheitsbeteiligung erwarb: "Mit der Übernahme durch Wirtgen ist eine enorme Dynamik und eine neue Philosophie in die Firma Kleemann geströmt", so der Chef des schwäbischen Traditionsunternehmens. Mit dem Bau eines neuen Kleemann-Werks im Jahr 2009 wurde der Startschuss für eine strategische Neuausrichtung besonders deutlich. "Als Teil im Unternehmensverbund der Wirtgen Group rückte für Kleemann der gesamte Weltmarkt in den Fokus. Um global aber erfolgreich zu sein, braucht es Serienprodukte", so Dr. Kaub. Entsprechend wurde die damals neu gebaute Fertigungshalle mit vier multifunktionalen Produktionslinien ausgestattet, um eine flexible Se-rienfertigung zu ermöglichen.

Weltweit kann Kleemann auf das Wirtgen Group Netz von 55 eigenen Vertriebs- und Servicegesellschaften und über 150 Händlern zurückgreifen. "Die internationale Ausrichtung ist erfolgreich gelungen", sagte Dr. Kaub. Fokusmärkte seien neben Europa auch China, Afrika und Nordamerika. Zudem hätte Kleemann den südostasiatischen Markt erfolgreich erschlossen auf dem man vorher nicht präsent gewesen sei. "Wir verzeichnen in Südostasien und auch im afrikanischen Markt deutliche Umsatzsteigerungen", so Kleemann Geschäftsführer Dr. Kaub. Mittlerweile würden diese Märkte den Absatzrückgang bspw. in Australien und Russland aufgrund der weltweit anhaltenden Bergbaukrise kompensieren.

Kleemann-Werk in Göppingen: Um eine flexible Serienfertigung zu ermöglichen, wurde beim Bau des neuen Werks im Jahr 2009 die Fertigungshalle mit vier multifunktionalen Produktionslinien ausgestattet.Fotos: Kleemann

Breit aufgestellt, weltweit vertreten und als Unternehmen in einem starken Verbund, sei Kleemann insgesamt auf Wachstumskurs. "Die Mitarbeiterzahl wurde seit 2010 faktisch verdoppelt und unsere Erwartung für das Geschäftsjahr 2015 hat sich bestätigt. Mit einem Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr von über 20 % haben wir unser Ziel erreicht", sagte Dr. Kaub. Für mobile Brech- und Siebanlagen gäbe es zwar nur Schätzungen, man gehe aber davon aus, dass die Stückzahl weltweit bei etwa 5000 bis 6000 Anlagen pro Jahr liege. Auf Basis einer vorsichtigen Schätzung gehen wir davon aus, dass Kleemann derzeit einen Weltmarktanteil von etwa 8-10 % hat und damit zwischen einem 3. und 4. Platz liegt", so Dr. Kaub, der im Bereich Bergwerks- und Maschinenkunde promovierte. Ziel sei es, einen weltweiten Marktanteil von 15 % zu erreichen. "Wir setzen kontinuierlich auf Internationalität und haben vor allem das Kundensegment des Contractors im Blick, was als Volumengeschäft ca. 70–80 % unseres Umsatzes erzeugt."

Für den Weltmarkt müsse man dafür gängige Züge aus mobilen Backen- und Kegelbrecher und Siebanlagen im Portfolio haben, die flexibel einsetzbar seien. Stationäre Anlagen hätten zwar weiterhin ihre Berechtigung, so Dr. Kaub, jedoch sei es mit der richtigen mobilen Anlagenkombination heutzutage durchaus möglich, stationäre Prozesse mobil abzubilden. Auch Mischformen sind denkbar: "Der Einsatz mobiler Anlagen in Kombination mit einem stationären Werk ist immer eine Frage der Optimierung." Darüber hinaus würden Losgrößen für Contractoren zunehmend kleiner, sodass insbesondere diese Zielgruppe flexible Maschinen bräuchte, die schnell einsatzbereit seien. "Mit unserer Evo-Produktlinie wollen wir im Sinne des Contractors genau dafür das entsprechende leistungsstarke Portfolio bieten", so Dr. Kaub. Die Evo-Linie zeichne sich neben der Leistungsstärke dadurch aus, dass sie mit wenigen Handgriffen einsatzbereit sei und aufgrund ihrer kompakten Bauweise weltweit die "richtigen Transportmaße" besäße. Als "Brot und Butter Maschinen" innerhalb der Evo-Linie müssten hier u. a. der mobile Backenbrecher Mobicat MC 110 Z Evomit einer maximalen Aufgabeleistung von 330 t/h und der Mobirex-Prallbrecher MR 110 Z Evo2 mit einem Durchsatz von bis zu 350 t/h. "Derzeit bauen wir innerhalb der Evo-Linie massiv unsere Kegelbrechersparte aus. Die Mobicone MCO 9 Evo und die MCO 9 S Evo sind zum ersten Mal auch auf der bauma mit dabei", so Dr. Kaub.

Die Kleemann Brechanlagen der Evo-Line sind besonders gut transportierbar und flexibel einsetzbar.

Damit das "Volumengeschäft" gelingt, wird weiter kräftig in das Werk im Göppinger Stauferpark investiert. Obwohl erst 2009 neu gebaut, reichen die Kapazitäten heute nicht mehr aus. "Wir investieren rund 40 Mio. Euro und werden u. a. durch die Verlängerung der Montagehalle auf zwei Takte, die Kapazität der Brechanlagen-Produktion verdoppeln. Die Arbeiten sind in vollem Gange und werden voraussichtlich Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Ende 2017/Anfang 2018 ist dann auch die Erweiterung des Hauptgebäudes abgeschlossen, in dem wir u. a. unsere innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung durchführen", so Dr. Kaub. Unter optimalen Bedingungen Schulungen u. a. in der Maschinen- und Anwendungstechnik sowie Instandhaltung durchführen zu können, sei für Kleemann weltweit, auch aufgrund der zahlreichen neuen Produkte, ein wichtiges Thema. "Unsere Ansprechpartner in den Servicegesellschaften unterstützen unsere Kunden vor Ort und wir bzw. die ganze Wirtgen Group unterstützt wiederum die eigenen Spezialisten und unabhängigen Händlerpartner", sagte der neue Kleemann-Chef.

Synergieeffekte können mittlerweile "hoch 5" genutzt werden: Mit der Akquisition des Asphaltmischanlagen-Spezialisten Benninghoven vor zwei Jahren deckt die Group mit insgesamt fünf Marken (Vögele, Hamm, Wirtgen, Kleemann) und den zwei Geschäftsfeldern Road und Mineral Technologies die gesamte Prozesskette im Straßenbau ab. Um das zu verdeutlichen hat sich die Wirtgen Group ein neues Logo in Verbindung mit der jeweiligen Herstellermarke gegeben: "Wir wollen mit dem neuen Gruppenauftritt deutlicher herausstellen, dass wir als Team unter einem Dach arbeiten und als starke Mannschaft gemeinsam das Werteversprechen der Group 'Close to our Customers' leben", so Dr. Kaub.

Mit der Mobicone MCO 11 Pro läutet Kleemann eine neue Generation mobiler Anlagen für den Einsatz im Steinbruch ein.

Auf der bauma präsentiert sich die Wirtgen Group in diesem neuen Erscheinungsbild unter dem entsprechenden Motto "Close to our Customers hoch 5" auf dem bis dato größten Wirtgen Group Stand mit einer Fläche von über 11 712 m². Rund 100 Exponate aus den Geschäftsfeldern Road und Mineral Technologies sind im Freigelände Süd (Stand 1011) ausgestellt. Kleemann zeigt mit insgesamt neun mobilen Brech- und Siebanlagen einen Querschnitt aus dem Produktportfolio. Auf dem Messestand werden die Backenbrecher MC 100 R Evo und MC 110 Z Evo und der Prallbrecher MR 130 Z Evo2 ausgestellt. Zum ersten Mal auf der bauma sind mit den Kegelbrechern MCO 9 Evo und MCO 9 S Evo die neuesten Mitglieder der Evo-Linie dabei. Zudem gibt es zwei Premieren zu feiern: Erstmalig wird der mobile Kegelbrecher Mobicone MCO 11 Pro, eine neue entwickelte Produktlinie, vorgestellt. Das größte Exponat von Kleemann ist in diesem Jahr die Backenbrecher-Sonderanlage Mobicat MC 125 RR mit einer zweistufigen Rollenrost-Vorabsiebung für bindiges Aufgabematerial. Die ca. 160 t schwere Anlage wird von einem Diesel-Elektroantrieb angetrieben und kann bis zu 600 t/h Material brechen. Neben der Maschinenpräsentation, erfüllt die bauma "als absolut bedeutendste Messe der Welt" für Dr. Kaub als neuer Geschäftsführer eine weitere Funktion: "Für mich persönlich bietet sie einen fantastischen Einstieg, um weitere Kollegen aus der Wirtgen Group kennen zu lernen und zahlreiche Kunden aus der ganzen Welt zu treffen. Wir rechnen allein aus China mit über 100 Besuchern am Stand."

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