Europa bleibt trotz Krise wichtiger Markt

Das "Wolffrudel" hat in den vergangenen Jahren ständig zugelegt

Dr. Peter Schiefer: "Die bauma 2010 ist ein 'Durchsortieren des Baumaschinenmarktes' und damit eine Standortbestimmung während oder am Ende der Krise."Foto: Oschütz

HEILBRONN (ABZ). - In wenigen Tagen öffnen sich die Tore der weltgrößten Baumaschinenschau in München. Einer der bedeutendsten Kranhersteller weltweit, die Wolffkran AG aus Heilbronn, sieht diesem Ereignis mit Spannung entgegen.

Die bauma ist für Wolffkran eine wichtige Standortbestimmung. Seit Übernahme des Heilbronner Kranherstellers durch Dr. Hans-Peter Koller und Dr. Peter Schiefer, beide sind geschäftsführende Gesellschafter, 2005 hat das "Wolffrudel" ständig zugelegt. Über diese Erfolgsgeschichte und die relevanten Märkte der "Roten" informierte Dr. Schiefer in einem Gespräch mit der Allgemeinen Bauzeitung.

Unter der neuen Führung nimmt der Kranhersteller zum zweiten Mal an der bauma teil. Messen waren in der über 150-jährigen Tradition der "Wölffe" schon immer Meilensteine für Neu- und Weiterentwicklungen der Hebezeuge. "Erinnert sei an die Leipziger Messe 1913. Dort stellte Wolff den ersten schnell montier- und fahrbaren Turmdrehkran der Welt vor. Ein weiteres Highlight in der Unternehmensgeschichte war eine neue Bolzenverbindung, die 1963 den Grundstein für moderne Technik beim Bau von Turmdrehkranen legte. Seit dem bieten wir ein komplettes modulares System für unsere Premium-Krane an", sagte der geschäftsführende Gesellschafter. Somit könnten Kunden auch einzelne Komponenten ordern, die mit Elementen älterer Baureihen bis heute noch kompatibel seien. Dr. Schiefer verwies darauf, dass dies gerade in schwierigen Zeiten ein nicht zu unterschätzendes Qualitätsmerkmal ist.

Auf die Entwicklung der Märkte angesprochen, sei es für Wolffkran wichtig, sich nicht nur auf einen Markt zu konzentrieren. "Europa ist für uns trotz der Krisenmonate nach wie vor ein wichtiger Schwerpunkt. Besonders Deutschland, Schweiz und Österreich sowie Belgien, Niederlande und Skandinavien haben wir als unsere Heimmärkte verstärkt im Blick. Gerade in Deutschland, wo Krane wieder gekauft werden und das Mietgeschäft gut läuft, will Wolff den Fokus nicht verlieren", so Dr. Schiefer. In den genannten Ländern würden auch verstärkt neue Mitarbeiter rekrutiert. Dort hätte man zwar nicht in großen Stückzahlen verkauft, aber es sei eine umfangreiche Mietflotte im Einsatz, die rund um die Uhr betreut werden müsse.

Ein weiterer immer wichtiger werdender Markt sei der Mittlere Osten, wobei sich der Schwerpunk von Dubai – dort hat Wolffkran ein Joint Venture mit der Kanoo Group – immer mehr nach Abu Dhabi verlagere. "Dort laufen gegenwärtig langfristige Megaprojekte, die gut durchgeplant sind und umgesetzt werden. Ich vergleiche Abu Dhabi immer mit einem riesigen Tanker. Wenn der sich in Bewegung gesetzt hat, dann fährt der unaufhaltsam... Er fährt zwar etwas langsamer, hat aber eine enorme Wasserverdrängung. Dieses Bild bestätigen die mir bekannten langfristig geplanten Bauprojekte", blickt Dr. Schiefer voraus. Auch andere Emirate wie Oman und Katar sind auf dem Kurs, gegenüber Dubai wirtschaftlich aufzuholen. Aber auch Saudi Arabien sei ein wichtiger Markt für Wolffkrane. Allein dort seien etwa 90 Krane auf Baustellen im Einsatz. Vor kurzem habe der Hersteller erst Wippkrane nach Mekka geliefert.

Der Geschäftsführer lobte die Kooperation in dieser Region von Wolff Arabia mit der Kanoo Group, einem Familienunternehmen, das über 100 Jahre Erfahrung verfügt und im gesamten Mittleren Osten gut aufgestellt ist. Er zählt ebenfalls die Verbindung von Kanoo zum Partnerunternehmen Johnson Arabia dazu. "Wir haben oft mit denselben Bauunternehmen zu tun und sind in gleiche Projekte involviert." Ein weiterer wichtiger Markt für den deutschen Kranhersteller sei Asien. Leider sei man nicht auf dem chinesischen Markt vertreten. Dr. Schiefer: "Doch Hongkong, Singapur oder Malaysia profitieren von dem Wirtschaftswachstum. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr ein Büro in Kuala Lumpur eröffnet, um Asia Pacific aus der Region heraus zu bedienen."

Weiterhin nannte Dr. Schiefer den US-Markt, der durch seine aktuellen Baumaßnahmen sehr interessante Projekte habe. Dazu gehöre ebenfalls Kanada, ein nächstes Schwerpunktland für die Heilbronner Kranhersteller. "Das sind die Märkte, die wir gegenwärtig fokussiert haben. Natürlich gibt es noch andere Regionen und Länder, die für uns interessant sind. Dazu zähle ich Brasilien und Indien. Auch der russische Markt wird bald wieder in Fahrt kommen. Darauf sind wir vorbereitet. Das gilt ebenfalls für Australien, wo besonders unsere Wippkrane gefragt sind", so Dr. Schiefer.

Gefragt nach der kommenden bauma nannte der geschäftsführende Gesellschafter zwei neue Wipper mit jeweils 42,0 Tonnen und 50,0 Tonnen maximaler Traglast, die seiner Meinung nach ganz bestimmt im Rampenlicht der Baumaschinenschau stehen werden. Das passe ins Bild der Ausstellung unter dem Slogan "All you need is Wolff...". So runde die Bauklasse des neuen Wolff 630 B und Wolff 700 B im mittleren und oberen Lastmomentbereich die neue Wippreihe ab. Dr. Schiefer erinnerte daran, dass bereits zur bauma 2007 das neue Wolff-Bauprinzip mit dem Wolff 355 B viel Aufmerksamkeit unter den Fachbesuchern erzeugte. So böten die kompakten und leichten Krankomponenten vor allem für die Montage der Wipper viele Vorteile. Das zeige ebenfalls der stärkste und größte Wolff-Wipper der Big Wolff (Wolff 1250 B). "Mit diesem Fachwerkprinzip, das wir eingeführt haben, wird die Ingenieurkunst sichtbar. Der riesige Kran wirkt auf mich filigran und lässt sein wahres Leistungsvermögen nur erahnen", so Dr. Schiefer. Mit den vorgestellten Modellen habe der Kranspezialist das für die bauma gestellte Ziel erreicht, auch im mittleren und oberen Lastenbereich stark aufzurüsten. "Wir sind stolz, heute für jede Baustelle weltweit den passenden Turmdrehkran, aber auch wirtschaftliche Transportlösungen anbieten zu können", sagte der geschäftsführende Gesellschafter.

Zu den Innovationen in München gehöre auch das Turmsystem 23. Das leistungsstarke und zukunftsfähige 2,30 Meter Turmsystem zeichne sich besonders durch freistehende Turmhöhen bei Kranen bis zum 700-mt-Bereich aus. Hinzu komme das neue abnehmbare Kletterwerk KWH 23 sowie der variabel einsetzbare Kreuzrahmen KR 12-60/80. Dr. Schiefer: "Nahezu alle Komponenten sind containergerecht und bieten eine wirtschaftliche Transportlösung." Vervollständigt werde die neue Produktpalette durch den Laufkatzkran Wolff 8033cross. Bei der Entwicklung dieses leistungsstarken 450 Metertonnen Kranes mit Turmspitze (Cross Line) sei auf sehr niedrige Systemhöhen und geringe Einzelgewichte der Hauptkomponenten geachtet worden, die vor allem für die Montage und den Transport erhebliche wirtschaftliche Vorteile brächten.

Für Dr. Schiefer ist die bauma 2010 ein "Durchsortieren des Baumaschinenmarktes" und damit eine Standortbestimmung während oder am Ende der Krise. Für dieses Jahr erwarte er für sein Unternehmen ähnliche Ergebnisse wie 2007. In den Jahren 2006 und 2008 hätte Wolffkran seinen Umsatz verdoppeln können. "Trotz Krise sind wir heute auf einem Niveau, das mit der Übernahme des Kranherstellers 2005 nicht zu vergleichen ist. Besonders stolz sind wir darauf, auf der Rangliste der 100 kommenden Weltmarktführer aus Deutschland einen Platz unter den Top 20 Unternehmen erreicht zu haben, wie es eine Wirtschaftsstudie jüngst gezeigt hat", betonte Dr. Schiefer.

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